
Zunächst möchten wir uns bei Ihnen für die Entscheidung zu einem Kemble-Instrument bedanken. Ein Klavier oder ein Flügel gehört zu den vielseitigsten Musikinstrumenten überhaupt, ist aber gleichzeitig auch eines der komplexesten und delikatesten. Kemble-Instrumente sind sehr solide gebaut und beruhen auf unserem handwerklichen Sachverstand sowie dem Einsatz modernster Akustiktechnologie. Allerdings erfordern solch hochwertige Instrumente eine angemessene Pflege und Wartung, wenn ihr Wert erhalten bleiben soll. Bitte lesen Sie sich dieses Dokument sorgfältig durch und befolgen Sie alle Hinweise, um über Jahrzehnte hinaus Freude an Ihrem Instrument zu haben.
Klaviere benötigen zwar eine angemessene Lüftung, allerdings kann man sie mit der falschen Lüftung auch beschädigen. Der beste Standort für ein Klavier ist in der Mitte des Raumes oder an einer Trennwand zwischen zwei Räumen. Stellen Sie es niemals an eine Außenwand, weil die Klimabedingungen im Freien sonst die Klangqualität und das Volumen des Instruments beeinträchtigen könnten. Wenn sich Ihnen keine Alternative hierzu bietet, achten Sie bitte auf eine ausreichende Lüftung an allen Seiten des Instruments.
Ein Klavier darf sich niemals zu nahe an einem Fenster befinden. Schließlich ist sein Gehäuse aus Holz gefertigt, das niemals direkter Sonneneinwirkung, Feuchtigkeit oder plötzlichen Temperaturschwankungen unterliegen darf. Stellen Sie deshalb ein Instrument niemals an oder hinter ein Fenster. Wenn es für Sie keine Alternative gibt, versehen Sie das Fenster bitte mit einer dicken Gardine.
Stellen Sie das Klavier niemals in die Nähe von Wärmequellen wie Radiatoren und Konvektoren. Das führt nämlich zu Schäden am Lack und den internen Bauteilen und macht eine ausgewogene Klangwiedergabe unmöglich. Sorgen Sie dafür, dass das Instrument niemals heißer oder kalter Zugluft ausgesetzt ist.
Ein Klavier fühlt sich nur in einem geeigneten Raumklima mit passender Temperatur und Luftfeuchtigkeit wirklich wohl. Eine ausreichende Lüftung ist ebenfalls wichtig. In der Regel ist ein Luftfeuchtigkeitsgrad zwischen 50 und 60% ideal für ein Klavier. Da ein Klavier aus Holz, Filz und Tuch gefertigt ist, reagiert es relativ empfindlich auf schwankende Klimabedingungen. Wenn man diese Komponenten nicht pflegt, können Sie Schaden nehmen. Aus diesem Grund können wir leider keine Haftung für Schäden übernehmen, die auf eine unsachgemäße Handhabung zurückzuführen sind.
Filz, Tuch, Leder und die Präzisionsbauteile aus Holz - manche weisen eine Toleranz von nur 1/100mm auf - im Spielwerk eines Klaviers sind extrem feuchtigkeitsempfindlich. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit führt zu einem stumpfen Hammeranschlag und unscharfen Tönen, zu Rostbildung an bestimmten Partien und eventuell zum Klemmen der Tasten. Bitte lassen Sie Ihr Klavier regelmäßig warten, damit solche Schäden rechtzeitig erkannt und behoben werden können.
Ihr Händler weiß vermutlich am besten, wie Sie Ihr Instrument vor den örtlichen Klimabedingungen schützen. Allerdings können wir Ihnen ein paar allgemeine Tipps geben. Schließen Sie an bewölkten oder regnerischen Tagen alle Fenster des Raumes, in dem sich das Klavier befindet. Schließen Sie nach dem Spielen den oberen Deckel. Ein über das Klavier gelegtes Tuch saugt an regnerischen Tagen Feuchtigkeit auf und sollte zwischendurch immer mal wieder zum Trocknen aufgehängt werden. Wenn Sie an einem der folgenden Orte wohnen, sollten Sie besonders auf den Feuchtigkeitsgrad achten:
Am Meer bzw. in einer regnerischen oder feuchten Gegend. In einem Tal, in einem Haus nahe eines Hügels oder in einer Gegend mit langsamem Wasserabfluss. In einem erst zwei oder drei Jahre alten Betonbau. Orte, an denen Abluft in das Zimmer geblasen wird bzw. dunkle, nasskalte Räume.
Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist bereits ein Problem, aber extreme Trockenheit ist noch viel schlimmer, und zwar vor allem, wenn diese von einem Heizsystem bzw. einer Klimaanlage herrührt, welche die Luftfeuchtigkeit künstlich reduziert. In einem von Natur aus trockenen Klima verfügt ein Klavier dagegen über eine ausreichende Feuchtigkeitsreserve, die ein zu starkes Austrocknen verhindert. Allerdings schrumpfen die Holz - und Filzkomponenten bei einer geringen Luftfeuchtigkeit. Im Extremfall können sich der Resonanzboden, die Verbindungsstücke sowie Furnierkomponenten lösen, obwohl sie ordnungsgemäß verleimt wurden. Leichte Verformungen dieser Komponenten können zu Nebengeräuschen führen, während sich die Stimmwirbel lösen und eine zuverlässige Stimmhaltung verhindern könnten. Eine extrem trockene Luft verhindert man am besten mit einer Laubpflanze oder einem Feuchtigkeitsregulierer im Klavierraum.
Wenn ein kalter Raum zu schnell aufgeheizt wird, kommt es auf den Saiten und den übrigen Metallpartien zu Kondensation, die zu Rostbildung führt. Die Filzkomponenten absorbieren zudem die Feuchtigkeit, was zu einem dumpferen und undefinierten Klang führt.
Wählen Sie einen Standort für Ihr Klavier, wo sich der Klang gleichmäßig entfalten kann. Räume, in denen sich die Schallwellen an einem Ort konzentrieren, führen zu Verzögerungen und Echos. Der beste Standort für ein Klavier ist dort, wo es schön rund klingt und wo keine schrillen Reflexionen auftreten.
Ein schwerer Gegenstand kann die natürlichen Schwingungen des Klaviers beeinträchtigen. Eine Blumenvase auf einem Klavier oder Flügel sieht zwar schön aus, aber wenn sie leckt bzw. umfällt, verursacht das auslaufende Wasser schwere Schäden. Wasser führt zu Rostbildung an den Metallkomponenten in einem Klavier und kann außerdem die Hämmer und das Spielwerk beschädigen. Vermeiden Sie folgenschwere Unfälle, indem Sie außer Noten und einem Metronom nichts auf Ihr Instrument stellen.
Gegenstände aus Kunststoff (außer Polyethylen), Vinylgegenstände, Behälter mit Alkohol jeglicher Art, Flüssigkeiten wie Kosmetikprodukte, Insektengift, Aerosole, Farbverdünner oder petroleumhaltige Produkte
Staubbildung führt zu einer dumpferen Hammeransprache und Nebengeräuschen. Befreien Sie das Instrument regelmäßig mit einem weichen Tuch oder einem Wedel von Staub.
Die Tastatur muss regelmäßig mit einem weichen, trockenen Tuch abgewischt werden. Verwenden Sie niemals alkoholhaltige Reinigungsmittel, weil diese zum Bersten der Tasten führen können. Wenn die Tastatur stark verschmutzt ist, sollten Sie sie mit einem feuchten Tuch, das Sie zuvor in eine milde Seifenlauge getunkt haben, abwischen. Verwenden Sie jenes Tuch aber niemals zum Abwischen des Klaviergehäuses. Eine gute Angewohnheit wäre, sich vor dem Klavierspielen die Hände zu waschen. So bleibt die Tastatur nämlich am längsten sauber.
Klaviere sind empfindliche Instrumente, die regelmäßig einer professionellen Pflege bedürfen. Zwei Wartungstypen sollten immer von einem Fachmann durchgeführt werden: Stimmen und Nachjustieren. Mit Stimmen ist die Korrektur der Saitenspannung gemeint, damit das Instrument wieder harmonisch klingt. Jede Klaviersaite wird im Werk mit einem Zug von ±90kg gespannt. Nach und nach dehnt sie sich aber immer weiter und verliert dann einen Teil ihrer Spannung und dann klingt die betreffende Note falsch. Prinzipiell muss ein Klavier ein bis zwei Mal pro Jahr gestimmt werden. Die Nachjustierung bezieht sich dagegen auf Korrekturen der Tastaturansprache, des Spielwerks und der Pedale. Insbesondere bei Flügeln ist eine regelmäßige Wartung von großer Wichtigkeit. Die Ansprache und der Klang Ihres Klaviers richten sich entscheidend nach der Qualität dieser Wartungen. Daher müssen das Stimmen und die Nachjustierung einem Fachmann überlassen werden. Bitte fragen Sie Ihren Kemble Händler, er wird Sie über die empfohlenen Wartungsintervalle informieren und kann Ihnen einen guten Techniker empfehlen.